Über Geschichte stolpern
Schülerinnen und Schüler putzten Prichsenstädter Stolpersteine
Prichsenstadt - 19 golden schimmernde Stolpersteine sind in Prichsenstadt verlegt. Zusammen mit dem Kofferdenkmal am Friedhof erinnern diese Stolpersteine an das jüdische Leben, das es einst hier gab. Jeder Stein trägt den Namen eines der Opfer, die im Nationalsozialismus in den Selbstmord getrieben bzw. deportiert und ermordet wurden.
Vor den Pfingstferien haben Schülerinnen und Schüler der 7. Klassen der Mittelschule Wiesentheid die Stolpersteine geputzt und damit nicht nur an das Schicksal der ehemaligen Hausbewohnerinnen und -bewohner erinnert, sondern auch an die erste Stolperstein-Verlegung in Prichsenstadt am 26. Mai 2016.
Vor sieben Häusern wurden in den letzten zehn Jahren Stolpersteine von Künstler Gunter Demnig verlegt. So auch die vorletzten vier im März 2020 in der Luitpoldstraße 12, wo einst Familie Reich wohnte. Mutter Grete Schönwalter wurde 1895 in Markt Berolzheim (Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen) geboren. Sie heiratete 1920 den Viehhändler Max Reich aus Prichsenstadt. 1937 nahm dieser sich aufgrund des psychischen Drucks durch Entrechtungen und Demütigungen seitens der Nazi-Behörden das Leben. Das Ehepaar hatte zwei Kinder: Käthe, 1921 geboren, und Willy, 1922 geboren. Willy zog 1937 nach dem Tod seines Vaters nach München, wo er eine Schlosserlehre begann, bevor er Ende 1938 nach Karlsruhe zu Verwandten zog. 1939 folgte ihm seine Mutter Grete dorthin. Seine Schwester Käthe emigrierte im selben Jahr zunächst nach Großbritannien, überlebte dort den Holocaust und zog 1946 in die USA, wo sie heiratete und eine Familie gründete. 2011 starb sie im Alter von 90 Jahren in New York. Mutter Grete wurde 1940 aus Karlsruhe zunächst nach Frankreich deportiert und kam zwei Jahre später im KZ Auschwitz um. Auch Bruder Willy, der 1943 von Neuendorf in Brandenburg aus deportiert wurde und das KZ Auschwitz überlebte, verlor Ende Februar 1945 bei einem Todesmarsch im KZ Dachau sein Leben.
Mit seiner Idee der Stolpersteine begann Gunter Demnig 1992, an die Schicksale derjenigen Menschen zu erinnern, die im Nationalsozialismus ausgegrenzt, verfolgt und ermordet wurden. Über 100.000 solcher Stolpersteine gibt es mittlerweile in mehr als 31 Ländern. In Prichsenstadt findet man Stolpersteine in der Kirchgasse 9, in der Freihofgasse 3, am Karlsplatz 9 und 14, in der Luitpoldstraße 12 und 17 sowie in der Schulinstraße 7. Die Initiative geht auf den Verein Alt-Prichsenstadt und seinen Arbeitskreis „Stolpersteine – Erinnern und Gedenken“ zurück.
Von Katharina Volk
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